Die Entstehungsgeschichte meines Romans „Eismusik“ – und ein Blick hinter die Kulissen

Dieser Blogartikel ist die letzte Folge der „Nordlichtpost“, meine Newsletter-Serie rund um die Veröffentlichung meines Romans „Eismusik“ .

Alle zehn Folgen auf einen Blick hier.

Dichtung und Wahrheit 🎭🔍

In dieser letzten Ausgabe plaudere ich aus dem Nähkästchen und verrate euch manch Unbekanntes über die Entstehungsgeschichte von ​“Eismusik – Fridtjof Nansens größte Liebe“​.

Angela Marina Reinhardt mit ihrem Roman "Eismusik", 2023 bei Droemer unter dem Autorennamen Angela Lund erschienen, Bildrechte: privat
Hier seht ihr mich mit einem der allerersten Printexemplare von „Eismusik“ – wie immer ein besonderer Moment ❤️

Polarnacht und Lockdown – das passt!

Das Rohmanuskript zu meinem Nansen-Roman entstand im Frühjahr 2020 im ersten Lockdown in Deutschland während der Corona-Pandemie. Vor allem die Szenen auf der im Eis festgefrorenen Fram und das Ausharren in der monatelangen Finsternis der Polarnacht gaben einen recht guten Spiegel ab für die Situation unserer Familie in jener Zeit.

Das erste Quartal 2020 hatte es in sich, doch die Arbeit an „Eismusik“ half mir in jener Zeit sehr

Rückblickend kann ich sagen: Wenn diese Pandemie in meinem Leben als Autorin mit drei Schulkindern neben all der Sorge und Belastung auch etwas Positives hatte, dann, dass sie es mir erleichterte, mich in meine Romanfiguren hineinzuversetzen und ​“Eismusik“​ zu schreiben.

Das hier war sogar knapp VOR der Pandemie im Februar 2020 – ich stürzte mich gerade in das Abenteuer Nansen und dachte schon, das dieses Projekt wohl meine ganze Kraft erfordern würde. 🥴 *haha*

Eva und Fridtjof ganz privat

Es war mir wichtig, das Eheleben von Eva und Fridtjof Nansen so wahrhaftig wie möglich wiederzugeben. Wobei »wahrhaftig« nicht immer historisch verbürgt bedeutet.

Jede Quelle ist interpretierbar, und gerade persönliche Briefe und Tagebucheinträge enthüllen oft mehr über das Selbstbild und Wunschdenken der Schreibenden als das tatsächliche Geschehen.

Doch nach in Summe fast fünf Jahren Recherche zur Familie Nansen konnte ich dann recht sicher vermuten, was Eva bei Gelegenheit X gesagt und Fridtjof in Situation Y getan hätte.

Eva Sars und Fridtjof Nansen
Eva Sars und Fridtjof Nansen (gemeinfrei)

Auch sonst habe ich großen Wert auf historische Genauigkeit gelegt. Gerade die Details der Fram-Expedition konnte ich nahezu unverändert ins Buch übernehmen, natürlich auch, weil sie so wunderbar dokumentiert sind und genug packenden Stoff liefern für mindestens ein halbes Dutzend Romane.

Allein Fridtjof Nansens Expeditionsbericht »​In Nacht und Eis​« ist zu Recht weltberühmt, ein großartiges Zeitzeugnis – und verdammt gut geschrieben, wenn ich das anmerken darf.

Ich habe mich also weitestgehend an die Fakten gehalten, nur hier und da ein wenig geglättet, gestrafft und dramaturgisch angeglichen (Henrik Mohns Geburtstagspicknick fand z.B. drei Jahre früher statt). Und mit Ausnahme von zwei Nebenfiguren sind alle in dem Buch vorkommenden Personen historisch verbürgt.

Zusatzlesestoff & ein Blick in mein „Allerheiligstes“

Wer ein wenig hinter die Kulissen schauen möchte, findet im Nachwort von „Eismusik“ umfangreiche Erläuterungen sowie eine Liste ausgewählter Literaturempfehlungen. Denn seid versichert: Ich habe mich durch viele, viele Regalmeter Nansen-Literatur gearbeitet und gefühlt alles zum Thema gelesen.

Meine „Arbeitswand“ mit Karten, Plänen, Fotos usw. sah beim Schreiben des Buches übrigens so aus…

Das Fredrik-Problem

Schreibt man Romane auf der Basis eines wahren Hintergrunds, stößt man nicht selten auf eine historisch korrekte, aber dramaturgisch heikle Häufung ein und desselben Namens. Denn: Wer kann beim Lesen zig Leute ausinander halten, die alle gleich heißen?!

Auch in „Eismusik“ treten tatsächlich nicht nur zwei »Fredericks« auf (Jackson und Cook), sondern es versammeln sich gleich vier (!) weitere »Fredriks!

  • Fredrik Hjalmar Johansen (zum Glück verbrieft eher »Hjalmar« oder »Hjalle« gerufen)
  • Fredrik Arentz Krog (Cecilies Mann)
  • Fredrik Nicolai Engelhart (Dagmars Vater) und
  • Fredrik von Treschow (der »liebe Fritz«).

Da diese ganzen Herren bis auf Johansen in der Geschichte allesamt Nebenrollen spielen, habe ich bei einigen den Zweitnamen verwendet, um der Verwirrung des Lesers aufgrund der allzu vielen Fredriks und Fredericks vorzubeugen. Ich hoffe es wird mir verziehen.

Der einzig wichtige „Fredrik“ im Buch: Nansens unverzichtbarer Begleiter Fredrik Hjalmar Johansen

Noch mehr Entstehungsgeschichte: Die Verlobungsnacht!

Die Szene, in der Fridtjof nachts in der Eilert-Sundts-Gate auftaucht und die Verlobung mit Eva verkündet, hat sich genauso zugetragen, wie von mir beschrieben. Allerdings lebte dort in Wirklichkeit nicht sein Bruder Alexander mit seiner tatsächlich sehr unbeliebten schottischen Frau Lilian, sondern seine Halbschwester Ida Huitfeldt mit ihrem Mann Axel.

Vor-Ort-Termin an der Eilert-Sundts-Gate

Ich habe Fridtjofs zahlreiche älteren Geschwister aus der ersten Ehe seiner Mutter zum Zwecke der Klarheit weitgehend aus dem Roman herausgehalten und daher Alexander an Idas Stelle gesetzt. Da Alexander und Fridtjof vor allem in jungen Jahren tatsächlich ein inniges Verhältnis hatten, schien mir diese Lösung auch nicht allzu weit hergeholt.

Fridtjof? Nein, sein ein Jahr jüngerer Bruder Alexander Nansen! Die Brüder standen sich nahe und sahen sich ähnlich – waren vom Wesen her aber grundverschieden.

… und ein paar persönliche Freiheiten

In diesem Buch leiste ich mir bei aller historischen und literarischen Sorgfalt auch ein paar Schrullen und persönliche Freiheiten. Da ist zum Beispiel das Zitat aus dem Vorspann der Weltraum-Serie Star Trek (»to boldly go …« Youtube-Link), welches ich Nansen beim Aufbruch mit Johansen im Frühling 1895 ein wenig abgewandelt unterjubele. Keine Sorge: Ansonsten verwende ich im Buch jede Menge historisch verbürgte Originalzitate, bei nahezu allen Schlüsselszenen beispielsweise.

Dies ist der historisch belegte Moment für meinen kleinen Schwenk zu Star Trek

Dann habe ich eine kleine Reminiszenz an David Leans Film »​Lawrence von Arabien​« (Youtube-Link) versteckt. Falls jemand sie findet, kann er mir gerne auf diesen Newsletter antworten oder mich über meine ​Webseite​ kontaktieren – wer mir die richtige Stelle in „Eismusik“ nennt, dem schenke ich ein signiertes Buch.

Und dann musste auch noch Richard Wagners »Walkürenritt« ins Buch. Dieses Musikstück hatte für mich schon immer etwas äußerst Rabiates, ich kenne es seit meiner Kindheit über meinen Vater, der Opernregisseur war. Und als ich es zufällig beim Schreiben von „Eismusik“ hörte, da kamen mir sofort die armen Schlittenhunde in den Sinn.

Der Walkürenritt auf einem Gemälde von T.H. Maud (gemeinfrei)

Natürlich ist der »Walkürenritt« oft schon anderweitig verwendet worden. Beispielsweise diente das Stück während des Zweiten Weltkriegs zu Zwecken der Nazipropaganda als Untermalung von Wochenschauen. Als Filmmusik ist der Walkürenritt ebenfalls bekannt: Viele erinnern sich an eine berühmte Filmszene in Francis Ford Coppolas »Apocalypse Now«. Und auch der große Ennio Morricone verarbeitete den Walkürenritt in seinem Soundtrack zur Westernkomödie »Mein Name ist Nobody«. (etwas off-topic aber umso persönlicher: ​Hier auf Youtube jene Filmzene​, die mich als Kind damals total begeisterte).

Kurz, Wagners Walküren sind bereits durch viele Kulissen geritten, jetzt eben auch durchs ewige Eis und meinen Roman. 😉

Angela Lund: Eismusik – Fridtjof Nansens größte Liebe, Droemer Verlag

Das war nun die letzte Folge der Nordlichtpost zur Entstehungsgeschichte meines Nansen-Romans „Eismusik“.

Ich hoffe mein Ausflug in den hohen Norden um 1900 unter dem Autorennamen Angela Lund hat euch gefallen und ihr bleibt mir auch weiterhin gewogen. 🙂

Wer noch weitere Bücher von mir aus den Jahrzehnten rund um die Jahrhundertwende lesen möchte, dem lege ich folgende Romane ans Herz:

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal und … wir lesen uns! 👋 Angela

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