Die Arktis in „Eismusik“: Wie die Klimakrise Nansens Welt unumkehrbar verändert

Dieser Blogartikel ist Folge 9 einer Neuauflage der „Nordlichtpost“ – einer exklusiven Newsletter-Serie rund um die Veröffentlichung meines Romans „Eismusik“ . Heute geht es um die Klimakrise. Alle anderen Folgen auf einen Blick hier.

Die Arktis um 1900 – eine verschwundene Welt

Jedes Erzählen über frühere Epochen stellt die Aufgabe, eine nicht nur vergangene, sondern meist auch recht fremde Welt heraufzubeschwören. Gebräuche, Beziehungen und Sichtweisen, innere und äußere Grenzen: Alles kann ganz anders sein, uns herausfordern, manchmal sogar erschrecken.

„Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ auf Franz-Josef-Land 1872 (nach dem Titel von Chr. Ransmayrs wunderbarem Roman)

Eine vertraute Konstante bietet dann die Natur. Sie wirkt zeitlos und unverrückbar, ihre verlässlichen Abläufe erleichtern uns das Eintauchen in die Geschichte.

Auch der hohe Norden, Schauplatz dieses Buches, stand viele Jahrhunderte lang für unberührte Wildnis und ewiges Eis. Doch mit der Ewigkeit des Eises ist es vorbei und die »Konstante Natur« im Norden so bedroht wie sonst fast nirgendwo auf der Welt. Auch davon erzählt mein Nansen-Roman „​Eismusik​„.

Eine der ersten Farbaufnahmen eines Gletschergiganten 1910 auf Spitzbergen, oder „Svalbard“ wie der Norweger Fridtjof Nansen die Inselgruppe nannte.

Die von mir im Buch beschriebene Welt nördlich des Polarkreises, die Arktis um 1900, hatte ein Klima, das es schon jetzt nicht mehr gibt. ​Gigantische Gletscher, einst prägende Landmarken, sind inzwischen abgeschmolzen und verschwunden​.

Nansens Welt und die zerstörerische Kraft der Klimakrise

Hier unten ein Video, das vor einiger Zeit weltweit bekannt wurde (​Euronews-Beitrag​ via Youtube): Ein Hundeschlitten zieht Anfang Juni durch knöcheltiefes Schmelzwasser im Nordwesten Grönlands. Obwohl im arktischen Hochsommer mit schmelzendem Eis zu rechnen ist, ist es äußerst ungewöhnlich, dass dies so früh in der Saison und in solch alarmierendem Ausmaß geschieht. Und man kann davon ausgehen, dass sich die Situation seitdem noch verschärft hat.

Es ist so traurig: Permafrostböden tauen, Lebensräume versinken im Schmelzwasser, eine ganze Welt geht verloren. Wo Nansen und Johansen mit ihren Hunden damals über festes Packeis liefen, trifft man heute auch jenseits des arktischen Sommers auf offene See – ein Drama beispielsweise für die Eisbären, die ihre Jagdgründe und damit die Nahrungsgrundlage verlieren.

Ein Eisbär auf Franz-Josef-Land in der Arktis, von Fridtjof Nansen 1896 selbst aufgenommen
white bear on body of water
… und sein Artgenosse in der Gegenwart (Foto von Annie Spratt auf Unsplash)

Die Arktis der großen Polarexpeditionen gibt es nicht mehr. Das ist eine traurige Tatsache, die mir erst beim Schreiben von „Eismusik“ so richtig bewusst wurde.

Mein Roman Eismusik – eine literarische Spurensuche

Umso wichtiger scheint es mir, mit meinen bescheidenen Mitteln als Autorin ein Bewusstsein für diesen unwiederbringlichen Verlust zu schaffen. Und für den Erhalt dessen zu werben, was von dieser wunderschönen, fremden und kostbaren Welt noch übrig ist.

crescent moon above mountain
Mond über Spitzbergen (Foto von Benjamin Voros auf Unsplash)

Und was erwartet Euch in der nächsten Nordlichtpost?

In der nächsten Ausgabe plaudere ich aus dem Nähkästchen und erzähle euch etwas über die Entstehung meines Romans.

Bis dahin schöne Grüße und macht es gut! 👋 Angela

arctic fox on snowfield
Foto von Jonatan Pie auf Unsplash

Hier die letzten Folgen der Nordlichtpost:

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