„Walzerblut“ zwischen Fakt und Fiktion, Dichtung und Wahrheit

Fakt und Fiktion zu "Walzerblut"

Wer selig unwissend in der Romanwelt bleiben und nichts über die Hintergründe von »Die Welt in Meran: Walzerblut« erfahren möchte, liest jetzt NICHT weiter, denn hier folgt ein Blick hinter die Kulissen.

Allen anderen wünsche ich gute Unterhaltung! 🙂

Historische Figuren, reale Orte und wahre Geschichten hinter meiner historischen Saga mit Schauplatz Meran und Südtirol 

In »Walzerblut«, wie auch in der gesamten Meran-Saga, gibt es zum einen historische Persönlichkeiten, die in ein oder zwei Szenen »durchs Bild laufen«, wie etwa Johann Haller, Raphael Hausmann oder natürlich auch Franz Tappeiner. Zum anderen basieren ganze Figuren in weiten Teilen auf der wahren Lebensgeschichte einer Person, z.B. Sarah Forbes Bonetta oder auch Maria Ducia.

Fakt & Fiktion Walzerblut: Franz Tappeiner
Franz Tappeiner, der berühmteste Kurarzt Merans (Bild: gemeinfrei)

Reale Schauplätze der Meran-Saga

Auch viele Romanschauplätze gab oder gibt es wirklich, zum Beispiel den Tanzsaal des Café Paris, die Narrenabende rund um den Schießstand oder die Mädchenschule der Englischen Fräulein am Sandplatz. Und manche meiner Hauptschauplätze sind zwar fiktiv, halten sich aber eng an reale Orte – wie etwa die »Villa Wildschütz« im Buch, in der man unschwer das wunderbare Meraner Hausmuseum »Villa Freischütz« erkennen kann (siehe Bild unten).

Fakt und Fiktion Walzerblut: Villa Freischütz, Meran

Zwischen Archiv und Roman: Quellen und Inspirationen

Viele Ereignisse sind in alten Ausgaben der »Meraner Zeitung« dokumentiert. Einige der kuriosesten bzw. historisch interessantesten Meldungen sind als kurze Miniaturen am Kapitelbeginn auch im Buch zu finden. Vor allem bei den verschiedenen Straßen, Plätzen, Brücken, Hotels, Villen und Bauvorhaben habe ich mich eng an die Stadtgeschichte Merans gehalten und an der erfreulich guten Quellenlage orientiert. In diesem Zusammenhang kann ich den antiquarisch erhältlichen Bildband »Ins Licht gebaut: Die Meraner Villen« von Anna Pixner-Pertoll empfehlen. Und auch das Meraner Stadtmuseum im Palais Mamming hat mir umfangreichen Informationen weitergeholfen, dafür einmal mehr ein herzliches Dankeschön.

Fakt und Fiktion Walzerblut: Buchtipps

Andere Schauplätze meiner Meran-Saga sind frei erfunden. Sie fungieren jedoch quasi als literarische Verdichtung all jener Institutionen, Schlösser, Villen, Hotels und Kureinrichtungen, die Meran einst zu einem der strahlendsten Kurorte Europas machten, und ihm bis heute seinen besonderen Glanz verleihen.

Fakt und Fiktion Walzerblut: Angela Marina Reinhardt in Meran
Immer das Kreuz mit der Vor-Ort-Recherche! 🙂 Hier vor dem Kurhaus von Meran im Sommer 2024… (Foto: privat)

Meine Hauptfiguren zwischen Wirklichkeit und Dichtung

Bei meinen Hauptfiguren habe ich mich von der Wirklichkeit inspirieren lassen und diese mit dichterischer Freiheit vermengt, stets jedoch unter der Maxime „so hätte es gewesen sein können“. Helen von Burt und Jean de Benedetti sind deshalb erfunden, aber nicht ihre jeweiligen Familien.

Jean de Benedetti und seine historischen Wurzeln 

Jean de Benedetti – das hatte ich in einem vorangegangenen Blogpost schon erwähnt – ist der fiktive älteste Sohn des ehemaligen Botschafters Frankreichs, Comte Vincent de Benedetti aus Korsika. Bekanntheit erlangte dieser im Zuge der »Emser Depesche« , wo er einen heiklen diplomatischen Auftrag hatte, der, hmm, nicht gerade gut für ihn verlaufen ist. Da ich schon seit Beginn meiner Meran-Idee eine Anekdote aus Benedettis Jugend als Diplomat im Orient erzählen möchte, könnte es sein, dass ihr ihn vielleicht in einer eigenen Geschichte noch einmal kennenlernt – vielleicht auch schon im nächsten Jahr, doch da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bleiben wir für den Anfang dabei, dass Vincents Geschichte zu interessant ist, um sie nicht eines Tages zu erzählen …

Fakt und Fiktion Walzerblut: Graf Vincent Benedetti
Comte Vincent de Benedetti, realer Vater meines fiktiven Romanhelden Jean

Helens berühmte, echte Familie 

Helen von Burt ist ebenfalls fiktiv – nicht jedoch ihre preußisch-englische Familie. Die von Burts waren gleich mehrfach mit der berühmten Familie Moltke verwandt und verbandelt (in welcher deutschen Stadt gibt es eigentlich keine Moltkestraße?). Als Buchtipp empfehle ich die exzellente Familienbiografie »Die Moltkes« von Olaf Jessen, die auch den Burts viel Raum gibt.

Im weiteren Verlauf meiner Saga spielt vor allem Henry von Burt eine Schlüsselrolle (familienintern Punchy genannt), der historisch belegte Bruder meiner erfundenen Romanheldin. Eines der wenigen Porträts von Henry ist in der deutschen Geschichte kurioserweise gar nicht so unbekannt: Auf dem Bild unten seht ihr ihn gemeinsam mit seinem Vorgesetzten (und Onkel), General von Moltke, beim Blick über die Pariser Dächer durch eine runde Dachluke während der Belagerung von Paris 1870/71.

Fakt und Fiktion Walzerblut: Henry von Burt

Rosa Martini: Historische und literarische Vorbilder

Rosa, das ladinische Waisenmädchen aus der Spinnerei, vereint sowohl historische als auch literarische Einflüsse. Die Lebensgeschichten der sozialdemokratischen Frauenrechtlerinnen Maria Ducia sowie Adelheid Popp standen ebenso Pate für Rosas Geschichte wie auf literarischer Seite ein Mädchen wie Victor Hugos »Cosette« . Diese Figur liebe ich seit vielen Jahren, zudem haben mich auch die Recherchen zum Schicksal der Kostkinder lediger Mütter in der damaligen Zeit sehr mitgenommen. Es war für mich also klar, dass ich meiner tapferen, gewitzten Rosa einiges an Raum gebe – und geben werde! Wie es mit Rosa weitergeht, darüber möchte ich noch nicht zuviel verraten. Doch können Interessierte gerne einmal nachsehen, was es mit dem Namen Tolomei auf sich hat – und damit der Familie, bei der Rosa am Ende von »Walzerblut« Zuflucht findet.

Fakt und Fiktion zu Walzerblut: Kinderarbeit, Textilindustrie 1908 in England. Bildrechte: public domain
Kinderarbeit in der Textilindustrie – das berühmte Bild stammt aus England um 1908, auf dem Kontinnent war die Lage ähnlich … Bildrechte: public domain

Das kosmopolitische Konzept der Reihe: Die Welt in Meran – wortwörtlich.

Meine historische Meran-Saga hat zwar den Schauplatz Südtirol, ist jedoch – bei einem international bekannten Kurort nicht unplausibel – bewusst kosmopolitisch angelegt. Ich greife daher immer wieder historisch belegte Persönlichkeiten oder Ereignisse auf, die quasi »die Welt« nach Meran bringen. Und auf diese Weise zeigen, wie facettenreich die Welt auch im 19. Jahrhundert war.

Leider ist nicht mehr überliefert, wie die drei schwarzen Mädchen hießen, die 1855 laut dem sehr empfehlenswerten Meran-Buch des Frauenmuseums von den Englischen Fräulein in Meran betreut wurden. Doch People of Color sind Teil der Geschichte Mitteleuropas und auch der des Habsburgerreiches – man denke nur an Angelo Soliman. Daher hat das Dienstmädchen Anna Gruber einen Großvater mit Geburtsort Sansibar. Und ich habe mir in »Walzerblut« die Freiheit genommen, eine bekannte Persönlichkeit der Black History zur Kur nach Meran reisen zu lassen (und nicht, wie tatsächlich geschehen, nach Madeira).

Black History in „Walzerblut“: Sarah Forbes Bonetta

Diese Figur begegnet euch als »Mrs. David«. Sie hat ein historisches Vorbild: Sarah Forbes Bonetta. Deren Lebensgeschichte als »Queen’s Ward« ist ein wichtiges Kapitel der Black History im 19. Jahrhundert. Wer mehr über ihr außergewöhnliches und leider viel zu kurzes Leben erfahren möchte, wird unter ihrem Namen leicht fündig.

Fakt und Fiktion Walzerblut: Sarah Forbes Bonetta
Sarah Forbes Bonetta (Bildrechte: gemeinfrei)

Was Sarah in meinem Buch über ihre Herkunft erzählt, entspricht weitgehend dem aktuellen Wissensstand. Ich habe mir lediglich den kleinen literarischen Eingriff erlaubt, sie zu Beginn ihrer Tuberkulose-Erkrankung (an der sie 1880 mit nur 37 Jahren starb) für einen Wintermonat aus dem kalten London ins südliche Meran reisen zu lassen. Historisch ist das nicht belegt und zugegeben eher unwahrscheinlich – ebenso, dass ihr Mann James ihr dorthin folgte. Sicher ist aber: Er hat seine Frau offenbar sehr geliebt, wovon z.B. auch ein Monument auf Madeira zeugt, wo Sarah starb.

Aus dramaturgischer Sicht wollte ich mit Sarah und James ein Paar in Helens Umfeld zeigen, das schon länger verheiratet ist, eine Krise durchsteht und gestärkt daraus hervorgeht – quasi als Gegenpol zu meiner Romanheldin Helen, die sich in Fragen der Partnerwahl noch auf Schlingerkurs befindet. 😘 In »Walzerblut« nimmt dieser seinen Anfang, doch es ist damit noch nicht zuende. Dazu dann mehr ab 29. Mai, wenn »Schattenflamme« erscheint, der nächste Roman der Meran-Saga.

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